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Ihr wollt ein Start-up gründen, oder ihr habt gerade eines gegründet und Euch fehlt Unterstützung in der IT. „Wie komme ich jetzt an den richtigen ITler?“, lautet dann oft die Frage.

Wenn ihr selbst keine oder nur wenig Ahnung von IT habt, dann wird dies eine schwierige Sache werden, denn Ihr habt überhaupt kein Kriterium, anhand dessen Ihr entscheiden könnt, wer der richtige Mann (oder Frau) für Euch ist. Und Ihr habt wahrscheinlich wenig attraktive Argumente, um die richtigen Menschen zu überzeugen, mitzumachen.

Wenn Ihr Euch an diesem Punkt befindet, dann habt Ihr schon den richtigen Zeitpunkt verfehlt, die entsprechende Lücke zu füllen. Die Entscheidung, wie Euer Start-up aus IT-Sicht, funktionieren soll, ist so entscheidend, dass sie ganz zu Beginn der Unternehmung beantwortet werden sollte. Ich spreche hier natürlich von Start-ups, die Internet, mobile Apps oder Ähnliches  als Schwerpunkt haben. Ich beziehe mich also nur auf einen ganz bestimmten Teil von Start-ups.

IT sollte hier nicht etwas sein, was „auch irgendwie gemacht werden muss“. Es sollte eine elementare Säule Eurer Unternehmung sein. Es ist sicher kein Zufall, dass Unternehmen wie Apple, Microsoft, SAP, Facebook, Google, WhatsApp, Twitter und so fort, allesamt von Menschen ins Leben gerufen worden sind, die wir als ITler bezeichnen würden.

Darum glaube ich auch, dass im Gründerteam eines Start-ups auf jeden Fall IT-Kompetenzen vorhanden sein sollten. Am besten bei allen Gründungsmitgliedern. Und ich meine damit belastbare Kompetenzen und nicht in der Form „Ich habe mal ein WordPress aufgesetzt“, das meine ich sicher nicht damit. Man muss auch nicht Informatik studiert haben, vielleicht muss man noch nicht einmal Programmieren können, aber man sollte strukturiert denken können.

Ich habe Teams kennengelernt, die nur aus Technikern bestanden. Diese hatten oft die Angst, dass Ihnen die betriebswirtschaftlichen Grundkenntnisse fehlen würden. Ich glaube aber, dass diese Angst meist unbegründet ist.

Wichtig ist die innere Einstellung. Nicht alle Gründungsmitglieder sollten introvertiert und technikverliebt sein. Das wäre sicher nicht förderlich. Bei aller Liebe zur Technik muss die Bereitschaft zum unternehmerischen Handeln vorhanden sein. Auch Dinge mal nicht 100-prozentig zu bauen und lieber mal etwas unausgereiftes ausprobieren, als vor Angst einen Fehler zu machen, am Ende keinen Schritt zu tun. Diese innere Einstellung ist viel wichtiger als Wissen im betriebswirtschaftlichen Bereich.

Dieses Wissen lässt sich schneller aneignen, als fehlendes Wissen im Bereich Technik. Das ist vielen Technikern auch bekannt und daher sind diese so schwer für neue Unternehmungen zu begeistern, bei denen sie nur zu einem geringen Gehalt (Start-ups können meist nicht gut bezahlen), oder nur zu einer geringen Beteiligung arbeiten können.

Viele Gründer glauben, dass die eigene Idee so cool ist, dass sie genauso viel Wert ist wie die eigentliche Umsetzung. Das ist fast immer ein Irrglaube. Eine Idee ist nur eine Idee und an und für sich kaum etwas wert. Erst die Umsetzung der Idee schafft Werte.

Es ist daher auch kein gutes Angebot bei einer Neugründung, den Programmieren als Gegenleistung für die Umsetzung ein paar Prozent Firmenanteile zu versprechen. Entweder Ihr gründet zusammen mit Menschen, die das entsprechende Know-how mitbringen, oder Ihr bezahlt Menschen mit enstprechendem Know-how dafür. Was Ihr Euch wahrscheinlich nicht leisten könnt.

Ich rufe hiermit alle gründungswilligen Programmierer auf, mehr Mut zu zeigen, denn sie haben gegenüber Menschen mit wenig IT-Know-how, einen echten Wettbewerbsvorteil, da sie die beschriebenen Schwierigkeiten einfach nicht haben. Lieber einmal mehr etwas wagen, was dann vielleicht auch mal in die Hose geht, als nur die Ideen anderer Menschen umzusetzen.

My two cents.

Guido Boyke

  • Antworten
    Author
    Andreas

    Hi Guido,
    ein Kernsatz ist für mich, wenn du schreibst: „Eine Idee ist nur eine Idee und an und für sich kaum etwas wert. Erst die Umsetzung der Idee schafft Werte.“ – Vielleicht klingt das für manche geradezu blasphemisch, weil wir natürlich alle den Kreativen schätzen und bewundern: schöpferisch, unkonventionell, in einer nicht ergründbaren Weise genial und dadurch faszinierend. Aber ich gebe dir Recht. Selbst die beste Idee hat keinen Wert ohne die Umsetzung. Das gilt für alles. Für die Idee zu einem Film, zu einem Lied, einem Buch, einem Comic, einer Maschine. Ja, es gilt selbst für abstrakte Ideen wie die bürgerlichen Freiheiten. Ohne Menschen, die diese Ideen eindeutig ausformulieren, und ohne die Autoritäten, die diese Ideen schützen und für alle Menschen gültig und offen halten – sind selbst die diese Ideen nichts wert. – Davon abgesehen: so mancheiner und mancheine wäre vermutlich überrascht darüber, *wieviel* Kreativität das Entwickeln oft braucht (deren Kern eben gar nicht die Code-Zeilen sind).